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Firmengeschichte ist Zeitgeschichte

Gründung des Sprengstoff-Vertriebs nach dem 2. Weltkrieg

Der Bergbauingenieur Heinrich Lampe, ein gebürtiger Niedersachse, war zum Ausgang des 2. Weltkrieges als beratender Sprengstoff-Ingenieur in Schlesien tätig. Er kam 1945 mit Familie zurück nach Hessen.

 

Für die neu beginnenden Aktivitäten im Kali-, Eisenerz- und Kohlebergbau und ebenso in der Zement- und Steinindustrie war ein hoher Bedarf an Sprengstoffen notwendig.
Für den Wiederaufbau waren die Grundstoff-Industrien von besonderer Bedeutung. Man brauchte Kali für die Bodendüngung in der Ernährungswirtschaft, Brennstoffe für Betriebe und Haushalte, Zement und Zuschlagstoffe für Verkehrswege und Häuser. 

 

Heinrich Lampe nahm Kontakt zur Dynamit Nobel AG auf, einem Sprengstoff-Produzenten für den zivilen Bedarf. In Hessen war zu diesem Zeitpunkt noch keine Sprengstoff-Produktion etabliert, so dass der Sprengstoff aus anderen Besatzungszonen bezogen werden musste.

 

Am 1. Januar 1947 gründete Heinrich Lampe mit der Genehmigung des zuständigen Ministeriums des gerade gegründeten Landes Hessen in Marburg die Firma „Sprengstoff-Vertrieb Hessen GmbH“ (SVH). 
 

Nach der Gründung erfolgte im Februar die offizielle Zulassung für den Vertrieb von Sprengstoffen im Land Hessen vom hessischen Ministerium für Wirtschaft und Verkehr in Wiesbaden.
So begann SVH mit ihren ersten Aktivitäten und acht Mitarbeitern in einem ehemaligen Hotel in Marburg.

 

Strenge Auflagen der Militärregierung
Jeder sprengstoffverbrauchende Betrieb hatte seinen Zweimonatsbedarf beim SVH anzumelden. Dieser Bedarf musste der Militärregierung in Wiesbaden zu Genehmigung eingereicht werden. Da die Mehrzahl der Sprengstoffwerke in der britischen Besatzungszone lag, musste der genehmigte Bedarf den britischen Behörden in Nordrhein-Westfalen gemeldet werden.


Der Transport zu den Lagern erfolgte in geschlossenen Waggons, die Belieferung durch firmeneigene Spezialfahrzeuge. Bei allen Transporten war Polizeibegleitung vorgeschrieben. Das Landratsamt Marburg musste für Sprengstofftransporte aus den SVH-Lagern Polizeibeamte abstellen.

 

Erst 1950 fielen diese Einschränkungen weg und es traten neue gesetzliche Regelungen in Kraft.

 

Die Lagerung der Sprengstoffe erfolgte zunächst in alten Sprengstoffbunkern der demontierten Munitionsfabriken in der weiteren Umgebung von Marburg. Durch den zunehmenden Wohnungsbau rückten Häuser jedoch immer näher an die Sprengstofflager.

Als die Sicherheits-Abstände nicht mehr den Vorschriften entsprachen, mussten Sprengstoff-Lager der SVH aufgegeben werden. Sie wurden unmittelbar durch neue und größere Lager in der Nähe von Marburg ersetzt.

 

Zu den damaligen Kunden von SVH zählte der hessische Bergbau einschließlich der Kalibetriebe, Betriebe der Industrie der Steine und Erden mit der Zementindustrie, Tiefbaubetriebe und Rodebetriebe (diese benötigten Sprengstoffe für Stubbensprengung zur Brennholzgewinnung).

 

Das Sortiment weitete sich zunehmend aus. Neben den verschiedenen Sprengstoffarten und Zündmitteln kamen Feuerwerkskörper und pyrotechnischen Artikeln hinzu und wurden mit wichtigen Zubehörteilen ergänzt.

 

Durch das Wachstum der Firma wurden größere Räumlichkeiten notwendig. So wurde schon 1949 das Grundstück in der Ockershäuserallee 38 erworben und nach Aus- und Umbau der Firmensitz dorthin verlegt. 

 

Eigene Patente für wirksamere Sprengungen
Heinrich Lampe erhielt 1953 das deutsche Bundespatent Nr. 942316 für eine „Vorrichtung zum Laden von Bohrlöchern für Gesteinssprengungen mit Sprengstoff-Patronen mittels Pressluft“, kurz Druckluft-Ladeverrichtung genannt.
Zugelassen von der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft und den Bergämtern, verbesserte die Druckluft-Ladevorrichtung das Ausladen der Bohrlöcher und verkürzte die Ladezeit.

 

Erweiterung des Verkaufsprogramms: „Kunststoffe für das Bauwesen“
Sprengstoffe und die ersten Kunststoffe hatten in ihrer Frühgeschichte die gleichen Herstellungsgrundlagen und wurden in den gleichen Farbriken produziert.

 

Die sich in den 50er Jahren abzeichnende wirtschaftliche Bedeutung der Kunststoffe war schließlich Anlass dazu, „Kunststoffe für das Bauwesen“ in das Programm aufzunehmen.

 

Die Produkte kamen von einem der ältesten Kunststoffhersteller Europas, der Dynamit Nobel AG.
Produziert wurden zunächst Schichtstoffplatten für Möbel und Innenausbau. Dann nahm ein neuer Kunststoff Einzug in das Bauwesen: Polyvinylchlorid (PVC). Damit war ein Kunststoff mit hervorragenden Gebrauchseigenschaften entwickelt worden, nahezu beliebig formbar, gut zu verarbeiten und ebenso wirtschaftlich herzustellen.
Die daraus hergestellten Handläufe für Treppengeländer und Umleimer für den Möbelsektor gehörten zu den ersten PVC-Artikeln im Sortiment.

 

Mit den steigenden Firmenaktivitäten wuchs auch die Belegschaft, 1954 waren es bei SVH schon 14 Mitarbeiter.

 

Erfolg mit Kunststoffen – der Bodenbelag Mipolam
Bereits in den 30iger Jahren war für den Einsatz in U-Booten statt des seither verwendeten Gummibelages ein Bodenbelag aus PVC entwickelt worden.
Mit der Marke Mipolam wurde der erste Bodenbelag aus PVC in das Lieferprogramm aufgenommen. 

 

Aus SVH wird SKV 
Der Handel mit Kunststoffen boomte. Ab 1955 fand die große Bedeutung der Kunststoffe dann auch im geänderten Firmennamen seinen Ausdruck: „Sprengstoff- und Kunststoffvertrieb Hessen GmbH“ (SKV).


In Folge der rasanten Entwicklung arbeiten im Jahre 1959 schon 35 Mitarbeiter für SKV.

 

Expansive Entwicklung - Niederlassungen entstehen
1960 entstand die erste Niederlassung in Kassel und eine weitere wurde 1967 in Fulda gegründet.
Die sehr günstigen Entwicklungen an beiden Standorten und der immer größer werdende Bedarf an Lagerkapazitäten machten hier schon bald Erweiterungen und Neubauten erforderlich.


Weitere Niederlassungen entstanden in Frankfurt (1974), Gießen (1985-2002), Jena (1990) und Chemnitz (1993).

 

Die Weiterentwicklung: Vom Kunststoff zu textilen Bodenbelägen
Ein Meilenstein in der Geschichte der Kunststoffe war die Entwicklung der Kunststoff–Fasern und ihre enorme Bedeutung für die Textilindustrie. Auf dem Markt der Bodenbeläge haben sie eine Expansion eingeleitet, die ohne synthetische Fasern undenkbar gewesen wäre.

So entstand die Grundlage für die heutige Kernkompetenz im Bereich Bodenbeläge.
Zunächst mit Schwerpunkt Teppichboden und dann auch dem Trend zu Parkett und Laminat im Markt folgend.

 

Was vom Sprengstoff übrig blieb
Nur einmal im Jahr und zwar dann, wenn es zu Ende geht, kann Jedermann in den Tagen vor Sylvester bei SKV in der Ockershäuser Allee Feuerwerkskörper erwerben.

Mit dieser jährlichen und traditionellen Verkaufsaktion am Jahresende erinnert man sich bei SKV gerne an die ursprünglichen Firmen-Wurzeln und wie alles einmal begann.

 



 
 
 
             
     
 
     
             
  SKV GmbH, Ockershäuser Allee 38, 35037 Marburg, Telefon: 06421 306-0, Fax: 06421 306-120